Franz Xaver Mozart: The Two Piano Concerts © Claves
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Album der Woche | 21.05. - 26.05.2024 | VERLOSUNG - Franz Xaver Mozart: The Two Piano Concertos

Franz Xaver Mozart, der zweite Sohn von Wolfgang Amadeus, ist ebenfalls Musiker geworden und hat etliches komponiert. Seine beiden Klavierkonzerte sind schon einige Male aufgenommen worden, nun aber ein einer besonders geglückten Interpretation. Das liegt sicherlich auch daran, dass sich der in der Schweiz lebende ukrainische Pianist Andriy Dragan mit Franz Xaver Mozart besonders verbunden fühlt.

Er könne sich mit dem Mozart-Sohn gut identifizieren, erklärt Dragan im Gespräch. Beide haben sie ihre Heimat mit 17 Jahren verlassen, wobei Franz Xaver Mozart nach Lemberg zog, dem heutigen Lwiw, und genau von dort stammt Dragan, der ebenfalls Spross einer Musikerfamilie ist.

Wahlheimat

Eines der ersten Klavierkonzerte, das der junge Andriy erlernte, war Franz Xavers op. 14, das dieser bereits als Teenager komponierte. Dragan spielte es mit 13 Jahren auf seiner ersten Auslands-Orchesterreise, die nach Zürich und Basel führte. Nach Basel ging er bald darauf dann auch zum Studium und dort ist er bis heute geblieben.

Tragik

Andriy Dragan formuliert im Interview außergewöhnlich abwägend und vorsichtig – man meint darin eine Spur Melancholie ausmachen zu können. Franz Xavers Leben auf der anderen Seite war von der Situation geprägt, dass seine Mutter Constanze ihn zum Nachfolger seines Vaters aufbauen wollte. Sicherlich war sein Weggang aus Wien eine Art Flucht vor ihren Erwartungen und dem Brennglas der Musiköffentlichkeit in seiner Geburtsstadt. Nach etwa 30 Jahren als Musiker, Pädagoge und Musik-Organisator in Galizien kehrte er schließlich nach Wien zurück.

Gesamtaufnahme

Da sich Andriy Dragan der Musik des Mozart-Sohnes so sehr verbunden fühlt, hat er eine Gesamtaufnahme von dessen Klavierwerken in Angriff genommen. Vor drei Jahren startete er sie mit Variationswerken für Piano solo und nun folgen die beiden Konzerte zusammen mit dem traditionsreichen Musikkollegium Winterthur. Das Projekt mit dem Orchester aus der Nordschweiz wurde vom Label Claves initiiert, mit dem Solist wie Ensemble verbunden sind.

Harmonie

Von der Zusammenarbeit mit dem Musikkollegium ist Andriy Dragan begeistert. Er spricht von einer Symbiose, "insbesondere, weil wir ohne Dirigenten gespielt haben. Stattdessen hat der fantastische Konzertmeister Bogdan Božović die Leitung übernommen. Dadurch ist meiner Meinung nach eine besondere Energie entstanden. Man vergisst, dass es ein großes Sinfonieorchester ist, weil es sich fast nach einer kleinen Kammermusik-Gruppe anhört."

Zwischenphase

Franz Xaver Mozarts Konzerte stellen für Dragan ein Bindeglied zwischen der Klassik und der Romantik dar. Das erste in C-Dur ist dabei noch sehr klassisch im Stile seines Vaters gehalten, das zweite in Es-Dur entstand gut zehn Jahre später und verweist schon deutlich in Richtung Romantik. Da für die Werke nur Klavierauszüge und Orchesterstimmen, aber keine Partituren erhalten sind, hat Dragan viel Mühe in die Überprüfung des Notenmaterials gesteckt und in einer neuen Ausgabe etliches korrigiert.

Vital

Die beiden Konzerte gelten nicht als zukunftsweisend und wagemutig für ihre Entstehungszeit, auch besitzen sie keine sehr einprägsamen Melodien, doch sie sind handwerklich solide gebaut. Bei Andriy Dragan und dem Musikkollegium Winterthur erhalten sie einen unvermuteten Drive und ansteckende Vitalität. Das Spiel des Solisten auf einem Steinway-Flügel klingt dabei wunderbar unbeschwert und luftig.

Schatten

Über den Kompositionen Franz Xavers liegt der Schatten der Werke seines genialischen Vaters. "Dieser Schatten hat ihn bis Ende seines Lebens verfolgt und verfolgt ihn eigentlich immer noch", meint Andriy Dragan. Sein Ziel ist es, dem Sohn mit seinen Aufnahmen ein wenig mehr Anerkennung zu verschaffen. Mit der fein ziselierten Einspielung der beiden Konzerte, für die er sich im Interview explizit beim Tonmeister Johannes Kammann bedankt, hat er sein Möglichstes dazu getan.

Rainer Baumgärtner, radio3

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