Il Porteño © Hänssler
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Album der Woche | 03.06. - 09.06.2024 - "Il Porteño" - Werke für Tuba, Klavier und Harfe

Die Tuba ist Instrument des Jahres 2024. Das große Blechblasinstrument ist das musikalische Fundament einer jeder Blaskapelle, für viele ist sie aber der "Volksmusik-Tiefton-Brummer" der letzten Reihe. In der Kapelle seiner Heimat fehlte eine Tuba - und so stieg Siegfried Jung als 12-Jähriger ins Tuba-Spiel ein.

Das Instrument ließ ihn nie wieder los. Er ist seit 1999 Tubist im Mannheimer Nationaltheaterorchester und reist viel als Solist. Zudem lässt er Stücke für sein Instrument komponierten, so auch für sein neues Album "Il Porteño", mit dem er zeigt: das Instrument kann auch ganz anders!

Großes Herz für großes Blech

Siegfried Jung hat ein lateinamerikanisches Programm aufgenommen, benannt nach dem ersten Werk "Porteño", komponiert von Gerardo Gardelin:

"Den 'Porteño' hatte ich im Jahr 2020 bei Gerardo Gardelin in Auftrag gegeben. Natürlich habe nicht ich festgelegt, wie das Stück heißt, aber Geraldo Gardin ist der Porteño. Porteño ist die Bezeichnung für die Bewohner von Buenos Aires."

Entstanden ist eine dreisätzige Suite für Klavier und Tuba. Hier verwickelt sich der Tubaklang auch mal ganz melancholisch mit dem Klavier: wie überraschend weichtönend.

Tiefes Blech und lateinamerikanische Rhythmik?

"In Lateinamerika gibt es sogar eine Stadt der Posaune", so Siegfried Jung. "Das ist Santa Fe in Argentinien und dort gibt es das Festival Tombonanza. Dort gibt es auch die Tuba im Repertoire. Dort habe ich erlebt, dass die lateinamerikanische Musik auf unseren tiefen Blechinstrumenten hervorragend funktioniert, hervorragend klingt und sehr populär ist."

Tuba mit zartem Harfenklang

Jung zeigt auch, dass in der Tuba rhythmische Leichtigkeit steckt, ohne ihr ihren typischen Sound zu nehmen. Dabei kombiniert er nicht nur das Klavier mit dem Instrument, sondern auch die Harfe. Dass die beiden sehr unterschiedlichen Instrumente zusammenpassen, hat Jung herausgefunden, weil er einfach gern mit seiner Partnerin, der Harfenistin Johanna Jung, zusammenspielt:

"Tuba und Harfe passen eigentlich doch sehr gut zueinander, wenn man denn weiß, wie die beiden Instrumente in welcher Lage gut zusammenklingen."

Und dann klingt es so, als ob ein Sommerwind durch die Musik wehen würde.

Musikalisch Gleichgesinnte

Mit auf dem Album, sogar für Trio von Tuba, Harfe und Klavier gedacht, ist "El Inmortal", eine Fantasie in Form eines Tagos. Auch diese komponierte Gerardo Gardelin, eine prägende Musikerpersönlichkeit Argentiniens. Seine Werke prägen das Album. Gardelin und Jung kennen sich seit 2017. Damals komponierte er für Jung das erste Werk. Das war der Beginn einer Musikerfreundschaft, erst via Online-Kommunikation, dann auch endlich persönlich.

Der Blech-Könner

Auf dem Album ist auch ein Werk von Enrique Crespo zu hören. Er war eine Blechbläser-Kompositionslegende. Er kam mit einem Stipendium aus Uruguay nach Berlin, blieb als Orchesterposaunist im Land und wurde erfolgreicher Komponist. Jeder Blech-Bläser kennt diesen Blech-Könner:

"Crespo wusste genau, was er von der Tuba verlangen kann. Deswegen hat er jedes Werk auch im Tonumfang von ganz hoch bis ganz tief genau auf das Instrument und auch die Möglichkeiten auf dem Instrument zugeschnitten."

Das gilt auch für seine Tanz-Suite "Escenas Latinas". Siegfried Jung punktet hier mit seiner Klavierpartnerin Susanne Endres. Ihr klares Spiel, ihre Spielfreude und technische Integrität bringt die Stücke zum Funkeln. Man hört, dass dieses gemeinsame Spiel gewachsen und aufeinander hochsensibel abgestimmt ist.

Was zu beweisen war

All das ist weit weg vom plumpen Tuba-Vorurteil. Siegfried Jung beweist mit seiner Virtuosität, mit seinem spielerischen Sinn für Humor und seiner Gestaltungsmacht in den tiefen Tuba-Lagen: dieses Instrument kennt viele Varianten und Klangüberraschungen! Dieses Album belegt: die Tuba kann Sommer! Und: Es wurde endlich Zeit für ein Jahr der Tuba!

Cornelia de Reese, radio3

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